Fragen von Sprache und das Gefühl von Sprachlosigkeit spielen in Erfahrungen des Exils eine entscheidende Rolle. Kaum jemand hat die damit verbundenen Empfindungen so treffend und berührend in Worte gefasst wie Nelly Sachs. Peter Weiss hingegen verweigerte sich im schwedischen Exil zeitweise der deutschen Sprache, um sich von den Verbrechen des Nationalsozialismus zu distanzieren.
Gemeinsam mit den Autoren Aris Fioretos und Deniz Utlu sprechen wir über Sprache und Exil. Moderiert von Grit Thunemann von der Schwedischen Botschaft geht das Gespräch dem Risiko der Sprachlosigkeit im Exil nach und beleuchtet, wie Nelly Sachs mit ihrer Muttersprache Deutsch und dem Schwedischen als neuer Sprache arbeitete. Auch Peter Weiss fand im Schwedischen eine neue literarische Sprache: Sein erster Roman erschien in Schweden auf Schwedisch, bevor er später seine bedeutenden Werke wieder auf Deutsch schrieb.
Dem Risiko der Sprachlosigkeit steht das Aufblühen einer Sprache gegenüber, die in der Heimat verboten war. Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung der kurdischen Sprache und Literatur in Schweden. Die kurdische Diaspora hat dort maßgeblich zur Bewahrung und Weiterentwicklung der Sprache beigetragen und eine bedeutende literarische Tradition hervorgebracht. Die Frage, wie dies möglich wurde, schlägt eine Brücke zu jüngeren Erfahrungen von Exil und Migration.
Die Veranstaltung entsteht in Kooperation mit der Schwedischen Botschaft und ist Teil der Reihe Embassies of Exile, in der das Exilmuseum mit Botschaftsvertretungen und Kulturinstitutionen weltweit zusammenarbeitet. Zu diesem Anlass wird auch die schwedische Botschafterin Veronika Wand-Danielsson anwesend sein.