Was bedeutet es, alles zurücklassen zu müssen? Wie fühlt es sich an, in einem fremden Land anzukommen – ohne Freunde und Familie, ohne Sprache, ohne das geliebte Spielzeug? Das Projekt „Wurzeln im Wind“ ist eine Kooperation zwischen Ephra und dem Exilmuseum Berlin. Anhand der Biografien von verfolgten Personen, die während der NS-Zeit fliehen konnten, macht der Workshop Verlust, Hoffnung und Neuanfang für Kinder erlebbar – und fragt: Was gibt Halt, wenn alles Vertraute verschwunden ist? Heute sind diese Fragen wieder erschreckend aktuell, und für viele der teilnehmenden Kinder sind dies nicht nur Ideen und Konzepte, sondern gelebte Erfahrung.
Die Stiftung Exilmuseum Berlin hat Ephra in ihre Räumlichkeiten in der Fasanenstraße eingeladen, um gemeinsam einen interaktiven, mehrstündigen Workshop für Kinder zu entwickeln. Ephra ist eine gemeinnützige Berliner Organisation, die seit 2012 innovative Bildungsprojekte an der Schnittstelle von Erinnerungskultur, Kunst und partizipativer Geschichtsvermittlung entwickelt. Gegründet von der Künstlerin Rebecca Raue, öffnet Ephra Gesprächsräume für Kinder und Jugendliche. Dabei setzt Ephra auf kreative Methoden, um auch komplexe gesellschaftliche Themen wie Flucht und Exil, Verfolgung und Antisemitismus mit Kindern und Jugendlichen zu bearbeiten. Durch die Auseinandersetzung mit individuellen Biografien und den Erfahrungen von Menschen, die aus Deutschland flüchten mussten, entsteht ein Raum, der aktuelle Lebenswelten einbezieht: Heute suchen Menschen Zuflucht in Deutschland. Was braucht es, damit Ankommen gelingen kann?
Der Titel „Wurzeln im Wind“ nutzt das Bild eines entwurzelten Baumes. Wurzeln stehen für Herkunft, Familie, Sprache und alles andere, was Halt gibt. Der Wind reißt die Wurzeln aus der Erde und steht für Vertreibung, Terror und Fremdsein. Der Workshop regt Kinder zum aktiven Gestalten, zum Mitdenken und -fühlen an. Anhand von drei Stationen AUFBRECHEN, UNTERWEGS SEIN und ANKOMMEN / HEIMAT FINDEN sammeln die Workshop-Teilnehmenden wie in einer Schnitzeljagd Informationen zu jeweils einer Person.
Im Mittelpunkt stehen immer die Kinder selbst und natürlich die individuellen Lebensgeschichten der Menschen im Exil. So ist Wurzeln im Wind ein künstlerisches Bildungsformat, das die Werkstatt des Exilmuseums zu einem außergewöhnlichen und besonderen Ort für außerschulisches Lernen werden lässt. Das Projekt macht Geschichte begreifbar und vermittelt Flucht nicht als Abstraktum, sondern als persönliches Schicksal.
Projektleitung: Rebecca Raue (Ephra) & Ruth Ur (Exilmuseum)
Konzept: Rebecca Raue, Michaela Englert, Philipp Sukstorf (Exilmuseum)
Künstlerische Leitung & Workshop-Leitung: Rebecca Raue
Künstlerische und pädagogische Mitarbeit: Michaela Englert, Ada Labahn, Janna Schaar, Caroline Böttcher
Wissenschaftliche Mitarbeit: Sassa Trülzsch
Schul- und Projektkoordination: Sara Rosenkranz
Assistenz: Célia Honegger
Video: artbeats