Anfang 1939 flüchtet Rudi Pincus, ein 21-jähriger Optikergeselle, vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Chile. Seine Eltern erhalten keine Visa und müssen in Berlin zurückbleiben. Von nun an ist die Familie nur noch durch Briefpost miteinander verbunden. Als die Eltern im Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt deportiert werden, reißt die Korrespondenz ab.
Jahrzehnte später stoßen die Enkel in Chile auf die Briefe von damals. Sie beginnen, Herkunft und Schicksal der ermordeten Großeltern zu rekonstruieren. Die Korrespondenz veranschaulicht die Herausforderungen und Hoffnungen, die Selbstbehauptung und die Verzweiflung der Familie angesichts der zunehmenden Bedrohung.
Die Veranstaltung ist Teil der Reihe Embassies of Exile, in der das Exilmuseum mit Botschaftsvertretungen und Kulturinstitutionen weltweit zusammenarbeitet. Zu diesem Anlass wird auch der chilenische Botschafter Jorge Eduardo Sandrock Carrasco anwesend sein.
Stefanie Oswalt: „Uns brennt der Boden unter den Füßen…“ Eine jüdische Familie zwischen Berlin, Santiago de Chile und dem Ghetto Litzmannstadt, 2026 erschienen im Hentrich & Hentrich Verlag, Herausgeber: Claudio Pincus